
Alles anders im Erzgebirge? Ja, aber mit vielen Überraschungen.
Wir haben die Ski ins Auto gepackt und fahren ins südliche Sachsen zum Skilanglaufen. Eigentlich haben wir keine Ahnung, was uns erwartet. Denn wir kennen diese Gegend Deutschlands nicht. Wir haben zwar noch den Ausgang der Bundestagswahl 2025 im Kopf und wissen, dass der Süden Sachsens mehrheitlich AfD-Land ist. Und wir kennen die These des Soziologen Steffen Mau, dass Ostdeutschland auch 35 Jahre nach der Wiedervereinigung strukturell, politisch und sozial anders sei als der Westen unseres Landes. Wir sind also gespannt, was uns erwartet. Nicht nur auf der Loipe, sondern auch drum herum. Und wir werden überrascht.
Aber der Reihe nach. Gute 400 Kilometer fahren wir aus dem Rhein-Main Gebiet ins Erzgebirge, um uns einen alten Wunsch zu erfüllen: Langlaufen zu gehen auf einer der – wie es heißt – schönsten Fernloipen Deutschlands. Die Kammloipe, das verrät schon der Name, verläuft über weite Strecken auf einem Bergrücken genau auf der Grenze zwischen Deutschland und Tschechien. Schon vor Jahren hatten uns Bekannte aus Dresden erzählt, dass diese Skitour durch den Naturpark Erzgebirge/Vogtland ein besonderes Erlebnis sei. Und das nicht nur aus sportlichen Gründen, sondern auch wegen der Landschaft, der Geschichte und der Menschen, die hier leben.
Im Internet wird die Kammloipe als einer der schneesichersten Fernloipen Deutschlands angepriesen. Das stimmt leider nicht mehr, denn auch im Erzgebirge hat der Klimawandel seine Spuren hinterlassen. Wo früher hochwinterliche Landschaften garantiert waren, müssen die Skiorte inzwischen jedes Jahr aufs Neue um den Schnee bangen. Doch im Januar 2026 ist das Wetter gut und der Loipenbericht vielversprechend. Wir fahren spontan los.
Traditionsort Mühlleithen
Für unsere Zweitagestour wählen wir eher zufällig den Ort Mühlleithen im Vogtland als Ausgangspunkt aus. Das erweist sich als Glücksgriff. Der kleine Wintersportort liegt auf 860 Meter Höhe, fast auf der Mitte der Loipenstrecke. Das Ferienhotel Mühlleithen hat einen direkten Loipenanschluss, ist ein sympathischer Familienbetrieb und eine perfekte Unterkunft für Wintersportler, die Bequemlichkeit und gutes Essen mögen. Die Speisekarte hält die vogtländischen Spezialitäten „Schwammespalken“ und „Bambes“ bereit. Für die Zugereisten wird die Erläuterung gleich mitgeliefert: Waldpilzeintopf mit Kartoffelpuffer – köstlich!
Bergbau, Forstwirtschaft und kleinere Handwerksbetriebe prägten Mühlleithen schon seit dem 16. Jahrhundert. Diese Zeiten sind vorbei. Gerade in jüngerer Zeit sind viele Menschen abgewandert. Wir erfahren, dass heute nur noch rund 100 Einwohner im Ort leben. An der Bushaltestelle nach Klingenthal kommen wir mit einer älteren Dame ins Gespräch. Sie gibt sich als pensionierte Seniorchefin eines Spezialausstatters für Rennrodler zu erkennen. Die Firma kümmert sich um die Rodelanzüge mehrerer Nationalmannschaften. Gut möglich, dass sie auch bei den olympischen Läufen im Eiskanal von Cortina d’ Ampezzo präsent war. Wir sind beeindruckt.
Die Kammloipe: Im Grenzgebiet zwischen Tschechien und Deutschland

Quelle: Die Kammloipe. Über diese Seite finden sich alle wichtigen Infos. Die Karten-App Mapy.com liefert sehr gutes Kartenmaterial, auch zu den Anschlussloipen auf der tschechischen Seite.
Über rund 36 Kilometer und auf einer Höhe zwischen 700 m und 950 m verläuft die Kammloipe quer durch dichte Wälder und Hochebenen. Der Ort Schöneck liegt am westlichen und tiefer gelegenen, Johanngeorgenstadt am östlichen und höher gelegenen Ende der Strecke (siehe Karte). In der östlichen Hälfte verläuft sie unmittelbar an der deutsch-tschechischen Grenze. Die Loipe kann sowohl im klassischen Stil, als auch von Skatern in beiden Richtungen befahren werden. Östlich von Mühlleiten gibt es bei Aschberg und Hirschberg je nach Fahrtrichtung ein paar knifflige Steigungen oder Abfahrten. Ansonsten weist die Strecke moderat verlaufende Höhenunterschiede auf.
Gute Kondition ist hilfreich, insbesondere wenn man die Strecke an einem Tag bezwingen will. Am Loipenstart in Schöneck treffen wir auf ein paar junge Männer, die das planen. Sie sind eigens aus Leipzig angereist und wollen am Abend schon wieder zuhause sein. Die Loipe lässt sich aber auch in Etappen laufen. Dafür gibt es mehrere Einstiegspunkte mit guter Parkplatz- und Einkehrinfrastruktur. Hin und wieder finden sich auf der Strecke kleine Unterstände, die vor Wind und Wetter schützen oder zum Picknick einladen.
Wir erkunden die Kammloipe in zwei Etappen und starten zunächst ganz im Westen und wollen am nächsten Tag im Osten beginnen, um von dort auf den Skiern wieder zu unserem Standort in Mühlleithen zurückzugleiten.
Von Mühlleithen über Klingenthal nach Schöneck
Schöneck erreicht man von Mühlleithen aus am besten mit Bus und Bahn. Im Regionalbus nach Klingenthal, so lernen wir, müssen die Langlaufski in einer Schutzhülle verpackt werden. Wir schauen verdutzt, was wiederum den freundlichen Busfahrer veranlasst, Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Denn angesichts der wenigen Fahrgäste hält sich das Gefährdungspotential unserer Skispitzen in Grenzen.
In Klingenthal steigen wir vom Bus in die Regionalbahn. Der Ort liegt unmittelbar an der Grenze zu Tschechien und wirkt an diesem kalten Morgen ein bisschen trostlos. Im Wartehäuschen am Bahnhof häufen sich die Glasscherben, und es stinkt erbärmlich. Eine Polizeistreife fährt langsam vorbei, beäugt uns misstrauisch, hält uns aber dann doch nicht für illegale Einwanderer. Die einzige Person, die wir am Bahnhof treffen, ist überraschenderweise ein Herr aus dem hessischen Wetzlar. Seine Familie hat hier ein zweites Zuhause, so erzählt er, offenbar noch aus vergangenen Zeiten.
Jahrhunderte alte Tradition im Musikinstrumentenbau
Tatsächlich hat Klingenthal eine überaus ruhmreiche Vergangenheit. Die Stadt nennt sich selbst die „Musikstadt“, und das aus gutem Grund. Vom 17. bis ins 20. Jahrhundert hinein war Klingenthal einer der wichtigsten Standorte des Musikinstrumentenbaus in Europa. Besonders bekannt war die Stadt für Streich- und Zupfinstrumente, Akkordeons und Mundharmonikas. Doch mit der Wende kam der Niedergang. Die Betriebe waren nicht mehr wettbewerbsfähig, die Konkurrenz aus Asien nahm zu, viele örtliche Zulieferbetriebe mussten dicht machen.
Eine besondere Marke ist jedoch bis heute geblieben. Die 1847 gegründete Firma C. A. Seydel & Söhne gilt als einer der ältesten noch produzierenden Mundharmonikahersteller weltweit. Viele bekannte Country- und Bluesmusiker spielten und spielen auf einer Seydel. Kenner wissen die besonders hochwertigen Edelstahl-Stimmzungen zu schätzen. Diese Stimmzungen sind das Kernstück des Instruments. Beim Blasen und Ziehen erzeugen ihre Schwingungen den klassischen Mundharmonika-Sound.
Loipenstart in Schöneck
Mit der Regionalbahn fahren wir von Klingenthal in gut 20 Minuten bis zum Haltepunkt Schöneck-Ferienpark. Die Kammloipe beginnt gleich auf der anderen Straßenseite. Am Start finden sich Loipenhütte mit Toiletten und Umkleiden, alles ist gut organisiert.
Heute stehen rund 16 Kilometer bis nach Mühlleithen auf dem Programm. Wir laufen zunächst auf schnurgeraden Wegen quer durch tief verschneite Wälder. Der Neuschnee ist erst ein paar Tage alt. Die Loipe ist griffig, doch in manchen tieferen Lagen schimmert noch der Untergrund durch. Die Gegend um Schöneck ist wasserreich und gilt deshalb als Nebelloch. Die aufgehende Sonne beschert uns deshalb einen wunderbaren Nebelregenbogen.

Nach rund 10 Kilometern bringt uns ein längerer Anstieg in das Schneckensteingebiet. Hier lichtet sich der Wald. Die sogenannte „Sonnenterasse“ ist als hübscher Rastplatz eingerichtet. Von hier führt ein Abstecher aufwärts zum „Panoramapunkt“ mit schönem Blick über das Vogtland und die benachbarten tschechischen Berge. Der schneebedeckte Hügel wirkt ganz natürlich. Tatsächlich ist er jedoch von Menschenhand gemacht und Teil großer Haldenketten. Die Halden sind die Überreste jahrhundertelanger Bergbauaktivitäten. Schon im 17. Jahrhundert wurden in dieser Gegend Silber, Zinn und Eisen abgebaut.
Geopolitik im Erzgebirge: Uran für die sowjetischen Atomprogramme
Besonders prägend war der Uranbergbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Dafür stand die berühmt-berüchtigte Wismut AG. Diese sowjetisch-deutsche Aktiengesellschaft wurde 1947 in der sowjetischen Besatzungszone gegründet, um Uranerz für die Sowjetunion zu gewinnen, insbesondere für deren Atomwaffen- und Atomenergieprogramme. Ein Hinweisschild am Schneckenstein erläutert, dass allein hier über 500 Bergarbeiter Uranerz förderten.
Insgesamt förderte die Wismut AG bis zur Wende über 230.000 Tonnen Uran und machte die DDR damit zeitweise zum viertgrößten Uranproduzenten der Welt. Das Unternehmen operierte über Jahrzehnte weitgehend geheim und beschäftigte in Spitzenzeiten zehntausende Bergleute. Ganze Regionen in Sachsen und auch Thüringen waren wirtschaftlich vom Uranbergbau abhängig. Viele Bergleute waren erhöhter Radon- und Staubbelastung ausgesetzt. Entschädigungs- und Anerkennungsverfahren für Betroffene liefen teilweise jedoch erst Jahrzehnte später an. 1991 wurde Wismut in die Wismut GmbH umgewandelt, eine staatliche Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland mit dem Auftrag, die Bergbau-Altlasten zu sanieren.

Goethes Lieblingsdiamanten
Wie facettenreich der Bergbau im Erzgebirge ist, zeigt sich am Topasfelsen. Nur ein paar Kilometer von den Uranhalden entfernt, machen wir einen Abstecher zu diesem ungewöhnlichen Felsen, der als Solitär unvermittelt aus dem Wald herausragt. Der Felsen hat unter Mineralogen Berühmtheit erlangt, weil der Topas ein Edelstein ist, der weltweit nur in Sachsen vorkommt. Topase gelten deshalb als „sächsische Diamanten“. Natürlich gehörten die seltenen und wegen ihrer Farbenvielfalt begehrten Topase zu den Kronjuwelen der sächsischen Könige. Eine Informationstafel erläutert, dass auch Johann Wolfgang von Goethe begeisterter Sammler der sächsischen Diamanten war. Die Goetheforschung hat ermittelt, dass zwei bemerkenswerte Frauen Topase vom bereits alternden und höchst angesehenen Goethe erhalten haben: Marianne von Willemer und die blutjunge Ulrike von Levetzow. Heute kann man die seltenen Steine aus dem Erzgebirge im Grünen Gewölbe in Dresden bewundern. Gehörten Sie womöglich auch zur Beute der Kunsträuber vom November 2019?
Soljanka für alle
Am frühen Nachmittag erreichen wir unser Tagesziel in Mühlleithen. Auch hier gibt es ein Loipenhaus, Parkplätze und einen gut sortierten Skiverleih. Der bietet zu Mittag auch ausgezeichnete Suppeneintöpfe an. Die erfreuen sich großer Beliebtheit, denn als wir eintreffen, sind die großen Suppentöpfe schon fast leer gegessen. Wir können den Skiverleih guten Gewissens empfehlen, denn die engagierte Köchin verspricht, keinen Gast hungrig sitzen zu lassen!
Von Johanngeorgenstadt nach Mühlleithen
Am zweiten Tag drehen wir unsere Fahrtrichtung um: Wir starten in Johanngeorgenstadt und laufen von Osten nach Westen zurück nach Mühlleithen. Dazu bringt uns am Morgen ein Taxi zum Loipenhaus bei Johanngeorgenstadt-Neustadt, wo der östliche Einstieg der Kammloipe liegt. Unser Fahrer, ein freundlicher Ruheständler und früherer Elektrofachmann, erzählt aus seiner Jugend: Fünfunddreißig Meter weit sei er als Zehnjähriger von einer Jugendschanze gesprungen. Skispringen, so erzählt er, war zu seiner Schulzeit in der DDR ein verbreiteter Jugendsport. Das Erzgebirge mit seinen vielen Trainingsschanzen war eines der wichtigsten Leistungszentren. Kenner der Materie werden sich noch an Jens Weißflog erinnern. Er stammt aus dem Erzgebirge und war in den 1980er und 1990er Jahren einer der international erfolgreichsten Skispringer. Bis heute ist Weißflog im Erzgebirge geblieben und betreibt ein Hotel im nahegelegenen Oberwiesenthal.
Die Straße nach Johanngeorgenstadt führt uns durch eine der landschaftlich schönsten Ecken. Wir fahren durch verschneite Wälder und kleine Ortschaften. Doch die Idylle trügt. Wir sehen nicht wenige leerstehende Betriebsgebäude. Sie zeugen offenkundig von besseren Zeiten.
Johanngeorgenstadt liegt im sächsisch-tschechischen Grenzgebiet auf rd. 700 m Höhe. Auch dieser Ort wird durch seine Bergbautradition geprägt. Die Gegend um Johanngeorgenstadt war ein weiteres wichtiges Fördergebiet für den Uranbergbau. Beim Einfahrt in die Stadt sehen wir große kasernenähnliche Wohnblocks. Das waren die Arbeiterwohnungen der Wismut AG, erklärt uns der Taxifahrer. Sie scheinen nun weitgehend leer zu stehen. Heute gilt Johanngeorgenstadt als ein trauriges Beispiel für eine „verschwindende Stadt“. Der Bevölkerungsrückgang lässt sich nur schwer aufhalten.

Abstecher nach Tschechien
Rund 20 Kilometer Loipe liegen heute vor uns. Die Langlaufski sind angeschnallt, der Himmel ist blau, die Sonne lacht, die Loipe ist gut gespurt und die Temperaturen liegen weit unter dem Gefrierpunkt. Bei diesen nahezu idealen Bedingungen ist die Loipe deutlich belebter als noch am Vortag.
Nach wenigen Kilometern stoßen wir auf einen Grenzübergang nach Tschechien. Der Duft frischer Bratwurst entfaltet magische, ja sogar grenzübergreifende Anziehungskraft. Elegant umfahren wir zwei Betonbarrieren, schon sind wir drüben. Kenner der Strecke hatten uns diese tschechische Imbissbude empfohlen.

Die Grenze zwischen Sachsen und Böhmen war früher deutlich stärker befestigt als heute. Dem blühenden Schmuggelgeschäft tat dies keinen Abbruch. Im Gegenteil, die Grenzbefestigungen spornten die Schmuggler geradezu an. Denn die lange und dicht bewaldete Grenze war schwer zu überwachen und bot etliche Möglichkeiten des Durchkommens. Über die Jahrhunderte wechselten Salz, Kaffee, der Süßstoff Saccharin als billiger Zuckerersatz, und während der DDR-Zeit auch Alkohol, Zigaretten und Westwaren die Seiten. Zum Teil liefen diese Geschäfte durch ausgebuddelte grenzunterlaufende Schächte.
Einer der größten Schmuggler aber war eine Organisation, die sonst nicht im Untergrund arbeitete, nämlich die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei. Auf einem Hinweisschild wird die Geschichte wie folgt erzählt: Im Jahre 1947 hatte die KP 30 Millionen Mark billig erworben. Sie schmuggelte das Geld nach Deutschland. Dort kaufte sie Waren ein, die in der Tschechoslowakei besonders begehrt waren und schmuggelte diese wieder über die Grenze. Auf dem heimischen Schwarzmarkt wurden die Waren dann teuer verkauft – ein schönes Beispiel kommunistischer Parteienfinanzierung!

Wir kehren aus Böhmen zurück nach Sachsen und setzen in leichtem Auf und Ab unsere Tour in Richtung Carlsfeld fort. An der „Galgenhöhe“ erreichen wir mit 958 Metern den höchsten Punkt der Kammloipe. Links und rechts liegen geschützte Hochmoore. Sie sind im Winter unter der Schneedecke kaum zu erahnen, aber für Flora und Fauna von großer Bedeutung. Bald wird das Gelände wieder flacher, bevor es in die recht steile Abfahrt am Hirschberg geht. Langsam fahren, Schneepflug oder Abschnallen sind hier empfehlenswerte Optionen.

Um einige Erkenntnisse reicher
Nach einer langen Tagestour tauchen die ersten Häuser von Mühlleithen unvermittelt in einer Waldlichtung auf. Wir sind am Ziel. In zwei Tagen sind wir die gesamte Kammloipe abgefahren. Ein wenig unorthodox in zwei entgegengesetzte Richtungen, aber das passte gut in unsere Reiselogistik.
Auf der Heimfahrt machen wir einen Halt im vogtländischen Auerbach. Wir wollen für unsere Enkel*innen einige der bunten holzgeschnitzten Figuren aus der Häschenschule kaufen. (Wer erinnert sich noch an das erstmals 1924 in Leipzig erschienene Kinderbilderbuch von Albert Sixtus und dem Illustrator Fritz Koch-Gotha?) Empfohlen wurde uns die Boutique Waibel & Steckert. Das ist ein Spezialgeschäft für Erzgebirgische Volkskunst. Die Häschenschule werde nicht mehr vertrieben, so die freundliche Inhaberin, weil nach der Wende einige der bunten Farben als schädlich eingestuft wurden. Viele ihrer Zulieferer, so erzählt die Fachfrau mit Sorge, seien kleine Handwerksbetriebe, deren Meister nach und nach in Rente gehen. Die Nachkommen aber können von der Holzschnitzerei nicht mehr leben. Eine alte und weltbekannte Tradition des Erzgebirges droht deshalb langsam auszusterben.
Eine Langlauftour im Erzgebirge ist in jeder Hinsicht zu empfehlen. Besonders erkenntnisreich sind die Begegnungen und Erlebnisse am Rande. Die Menschen, die wir getroffen haben, haben uns viel über ihre Heimat erzählt. Wir verstehen jetzt besser, wie schmerzvoll, zuweilen auch existenzbedrohend, geopolitische und strukturelle Veränderungen wirken können. Und doch haben wir große Gastfreundschaft und Zugewandtheit erlebt. Der Süden Sachsens überrascht. Denn hier ist manches anders.
Reisen bildet, Skilanglaufen auch.