Von Bibern und Bergspitzen in der Zugspitzarena: Ehrwald/ Tirol

Zugspitze

Rundstrecke:  Lische 13 im Ortsteil Hof – Pfeffermühle – Gaisbachbrücke – Altmühlensteig – Tennisplatz – Innsbrucker Straße – Weidach – Ehrwalder Becken – Loisachbrücke – Biberwier – Ehrwalder Straße – Römerstraße – Tummebichl-Hügel – Modellflugplatz – Golfplatz – Loisachbrücke – Ehrwald – Kirchplatz – Martinsplatz  – Hölzli – Ganghoferstraße – Haag – Pitztaler Hof;  9,5 km.

Ehrwald, 9,5 km April 2017

Großes Alpenkino
„Hohe Wand, Breitenkopf, Igelskopf, Tajakopf, Sonnenspitze, Wampeter Schrofen, Handschuhspitzen, Wannig,  Grubigstein, Bleispitze,  Daniel, Zugspitze, Schneeferner Kopf…“  Als Bub konnte ich alle Berge und Gipfelhöhen rund um das Ehrwalder Becken auswendig daher sagen.  Bei unserem heutigen Lauf erleben wir dieses grandiose  Alpenpanorama wie in einem 360-Grad-Kino aufs Neue.  Im Tal blühen die Sumpfdotterblumen, auf den Bergspitzen liegt der Osterschnee.

Wir starten unseren Lauf im Oberdorf und traben an einigen der ältesten Höfe des Dorfes vorbei.  Bis ins 20. Jahrhundert hinein lebten die Menschen in Ehrwald von der Vieh- und Almwirtschaft.  Ihre Vorfahren bauten Fassdauben für den lukrativen Salzhandel oder schufteten in den Silberminen  hoch oben in den Mieminger Bergen. In den letzten Jahrzehnten ist der Tourismus zur neuen Lebensader des Dorfes geworden.  In den Nachkriegsjahren nannte man das noch „Fremdenverkehr“.

Flüchtlinge aus Hitler-Deutschland
An der Straße zur Ehrwalder Alm passieren wir ein Haus, in dem einst die Gaststätte „Pfeffermühle“ betrieben wurde.  Sie erinnert an das gleichnamige Kabarett im München der 1930er Jahre. Weil es mit der Machtergreifung Hitlers schließen musste, gehörte Erika Mann, die älteste Tochter von Vater Thomas, zu den ersten „Fremden“, die in jener Zeit aus Deutschland in das grenznahe Ehrwald flüchteten.

Wir überqueren den Gaisbach, ein eiskaltes Gebirgsgewässer. Parallel zum Bach führt der Altmühlensteig rechts hinunter in den Talkessel.  Ein breiter werdendes Wiesenstück diente einst als Landeplatz der Ehrwalder Sprungschanze. In den 1930er Jahren wurden Ehrwalder Skispringer mit Weiten bis zu 40 Meter österreichische Meister. Bis in die 1960er Jahre hinein schmiegte sich das in die Jahre gekommene Holzgerüst zwischen Fichten und Lerchen an den Berghang.

Vorbei an Tennisplätzen und Eislaufbahn folgen wir dem Gaisbach bis zu einem geräumigen Rückhaltebecken, das die Anwohner des Ortsteils Weidach vor Überschwemmungen schützt. Ein Feldweg  führt mitten hinein in das Ehrwalder Moos. Hier eröffnet sich ein einzigartiger Rundblick auf die bis zu 3000 Meter hohe Bergkulisse. Wir sehen die Mieminger Kette mit der steil aufragenden Sonnenspitze im Süden, die Ausläufer der Lechtaler und Ammergauer Alpen mit Grubigstein und Daniel im Westen und den Zugspitzgipfel am nordöstlichen Rand des gewaltigen Wettersteinmassivs.

Mieminger Kette

Zahlreiche Gewässer haben den Talboden zum Feuchtgebiet gemacht, weshalb ein Provinzfürst einmal den kühnen Plan hegte, die Loisach samt ihrer Zuflüsse zu einem See zu stauen. Daraus wurde nichts. Stattdessen wurde das „Moos“ in den 1990er Jahren wegen seiner einzigartigen Flora und Fauna unter Naturschutz gestellt.

Wir laufen entlang der noch jungen Loisach flußaufwärts in Richtung Biberwier. Glasklar mäandert der Bach zwischen halbhohen Kiefern. Forellen stehen scheinbar reglos gegen die Fließrichtung im Wasser. Einen Augenblick später sind sie blitzartig verschwunden. Hoch oben kreist ein Rotmilan. Die Hochspannungsleitungen scheinen ihn bei der Mäusejagd nicht zu stören. In Biberwier biegen wir rechts in die Römerstraße ein. Das ist die bei Fernradlern beliebte Via Claudia Augusta, jene alte römische Verbindung von der Adria bis zur Donau. Um das unwegsame Ehrwalder Moos zu durchqueren, bauten die Römer einst mit Tausenden von Baustämmen eine schwimmende Wegbefestigung. Heute ist die Römerstraße ein geteerter Landwirtschaftsweg und schmückt sich zudem als Außerferner Jakobsweg mit dem Zeichen der gelben Muschel.  In jüngster Zeit ist nun auch noch eine Lamaherde an die Römerstraße gezogen. Unklar bleibt, wer wenn intensiver anglotzt, die Lamas die Passanten oder umgekehrt?

 Die Biber sind da
Wir trotten links um den Tummebichl-Hügel, der noch aus der Eiszeit stehen geblieben ist. Wie aus einer vergangenen Zeit  stehen auf den Wiesen ein paar alte Heustadel. Denn inzwischen werden auch hier die Heuballen in Plastik verpackt.  Am Loisachufer findet man immer mehr Bäume, deren Stämme kunstvoll in Form einer Sanduhr eingekerbt sind.  Untrügliches Zeichen, dass sich hier wieder Biber angesiedelt haben. Nicht jeder mag indes die putzigen Nagetiere. Denn die eifrigen Tunnelbauer untergraben gern die benachbarten Wiesen und Felder.

Am Golfplatz  überqueren wir wieder die Loisach und laufen Richtung Ehrwald zurück.  Die Christuskreuze am Wege sind mit Tüchern verhangen, wie es der Brauch in der Karwoche gebietet.

Martinsplatz

In steilem  Anstieg laufen wir ins Dorf hinein, passieren die Traditionsgaststätte „Grüner Baum“, joggen am Schuhladen des Ignaz Guem und am Restaurant „Castagno“ vorbei, überqueren den Kirchplatz und gelangen schließlich auf den Martinsplatz. Von alten Bauernhäusern aus dem vorletzten Jahrhundert umsäumt, ist dies der schönste Dorfanger im Außerfern. Meist hört man hier nur das Plätschern der Brunnen. Doch alljährlich am 1. Mai blöken die Schafe auf dem traditionsreichen Viehmarkt.  Und im Juni/ Juli folgt dann der Startschuss für die Ultratrail-Läufer, die rd. 100 Kilometer rund um das Zugspitzmassiv laufen. Wir traben unterdessen nur noch ein paar Hundert Meter durch das  Hölzli-Viertel und gelangen über verwinkelte Fußwege wieder hinauf ins Oberdorf. Am Pitztaler Hof sind wir am Ziel.

 

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